Warum jedes Pferd regelmäßiges Training braucht
Wie viel Bewegung ist eigentlich gesund für dein Pferd? Und wann wird aus Bewegung wirklich sinnvolles Pferdetraining? Diese Fragen stellen sich viele Reiter*innen und Pferdebesitzer*innen, die ihr Pferd gesund erhalten und gleichzeitig pferdegerecht fördern möchten. Zwischen „täglichem Sportprogramm“ und „gar nichts tun“ liegt die Wahrheit oft in der Mitte. In diesem Beitrag erfährst du, warum jedes Pferd Training braucht, wie aus Bewegung Training wird und wie du das richtige Maß an Training für dein Pferd findest.
Unterschiedliche Meinungen - und was wirklich zählt
Zum Thema Pferdetraining kursieren viele Meinungen. Manche Pferdemenschen glauben, dass ihr Pferd kein Training braucht, wenn es keine sportlichen Leistungen erbringen soll und „nur“ Freizeitpferd ist. Andere wiederum vertreten die Ansicht, dass ein Pferd täglich trainiert werden muss, um fit und leistungsfähig zu bleiben.
Beides ist so nicht richtig.
Jedes Pferd braucht Training
Fakt ist: Jedes Pferd braucht gezieltes Training, egal ob es Turniere geht, oder gemütlich durch den Wald bummelt. Der Grund ist einfach: Pferde sind von Natur aus nicht dafür gemacht, einen Reiter zu tragen. Gleichzeitig bringen sie die Voraussetzungen mit, es doch zu tun - genau dafür benötigen sie gezieltes Training. Wenn sie in der Lage sind, den Rücken auch unter dem/der Reiter*in aufzuwölben und ihr Gesamtgewicht (inkl. Reiter*in) gleichmäßig auf alle vier Gliedmaßen zu verteilen, ist die Basis für ein gesundes Reitpferdeleben gelegt. Ein sportart-spezifisches Training kann dann ggf. darauf aufbauen.
Selbst Pferde, die nicht geritten werden, sollten zumindest im Ausdauerbereich trainiert werden. In seinem natürlichen Lebensumfeld bewegt sich ein Pferd täglich rund 16 Stunden überwiegend im Schritt und grasend. Auf diese Weise werden Gelenke, Sehnen, Bänder, Muskulatur, die Organe und der gesamte Stoffwechsel mit allem versorgt, was zur Gesunderhaltung nötig ist. Selbst eine durchdachte Offenstallhaltung kann diese Rahmenbedingungen kaum bieten.
Warum Bewegung alleine nicht reicht
Bewegen ist gut, trainieren ist besser - doch wo liegt eigentlich der Unterschied?
Vereinfacht gesagt: Beim "nur Bewegen" bleibt dein Pferd in seiner Komfortzone, es wendet die Fähigkeiten an, die es bereits hat. Training holt dein Pferd aus seiner Komfortzone heraus, mit dem Ziel, seine Fähigkeiten zu erweitern. Aber Achtung! Wenn du dein Pferd trainieren, weiterentwickeln willst, ist das richtige Maß entscheidend. Dein Pferd soll ge- aber keinesfalls überfordert werden. Wenn es nassgeschwitzt und mit "hängenden Ohren" vom Platz geht, hat das nichts mit gutem Training zu tun. Nach einer Trainingseinheit sollte dein Pferd einen klaren, wachen und zufriedenen Gesichtsausdruck haben - so, wie du nach einer richtig guten Joggingrunde. ;-)
Training bedeutet nicht immer Reiten
Wichtig ist: Pferdetraining ist mehr als Reiten. Auch Bodenarbeit, Spaziergänge, Longieren, Geländeritte oder gymnastizierende Übungen am Boden gehören zum Training dazu. Viele denken bei "Training" vor allem an Muskelaufbau - ein wichtiger, aber nicht der einzige Trainingsbereich. Bevor es an den Muskelaufbau geht, braucht dein Pferd eine entsprechende Grundlagenausdauer. Damit es seine Kraft und Ausdauer sicher und balanciert in Bewegung umsetzen kann, braucht es koordinative Fähigkeiten, die ebenfalls geschult werden müssen.
Nicht nur bei Jungpferden macht es Sinn, zunächst am Boden zu erarbeiten, was später auch unter dir als Reiter*in umgesetzt werden soll. Auch für erwachsene Pferde ist die Arbeit am Boden eine willkommene Abwechslung und macht es dir oft leichter, deinem Pferd Neues zu vermitteln. Nicht zuletzt bietet die Bodenarbeit für ältere Pferde oder Pferde in der Rehabilitation sehr gute Möglichkeiten, wieder fit zu werden, bzw. zu bleiben.
Fazit: Finde das richtige Maß für dein Pferd
Training ist kein Luxus, sondern Gesundheitsvorsorge für dein Pferd
Für ein gezieltes Aufbautraining solltest du dir eine*n qualifizierte*n Trainer*in zur Seite holen, der/die dein Pferd zunächst im Exterieur und Gangbild analysiert. Auf dieser Basis kann dein Pferd mit einem individuellen Trainingsplan optimal gefördert werden.
Aber auch du selbst kannst dein Training mit den folgenden Tipps sinnvoll und zugleich abwechslungsreich gestalten:
- Der wichtigste Tipp vorneweg: Pausen!!! Pausen gehören nicht an's Ende des Trainings, sie sind Teil des Trainings. Muskulatur kann sich nicht entwickeln, wenn sie keine Zeit zur Regeneration und Adaption bekommt. Sieben Tage Training pro Woche sind kontra-produktiv und schaden mehr, als sie nützen. Jeden zweiten bis dritten Tag eine Trainingseinheit ist ideal.
- Berücksichtige alle Trainingsbereiche: Ausdauer, Kraft, Koordination. Wenn du diese Bereiche abwechselnd in den Fokus nimmst, bringst du strukturierte Abwechslung in Euer Training.
- Beobachte dein Pferd und nimm seine Stimmung wahr. Wenn dein Training gut auf dein Pferd abgestimmt ist, macht es ihm Spaß und es bleibt motiviert. Wird dein Pferd widerwillig, überprüfe dein Training und passe es an.